Marlene Schönberger besucht AWO-Wohnheim für Erwachsene mit psychischer Erkrankung in Eichendorf
Die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger besuchte die AWO – Wohneinrichtung für Erwachsene mit psychischer Erkrankung in Eichendorf. Im Austausch mit Claudia Zacher, der Leiterin der Einrichtung und dem AWO-Bezirksvorsitzendem Bernhard Feuerecker informierte sie sich über die Arbeit des Wohnheims und die aktuellen Herausforderungen in der Betreuung psychisch erkrankter Menschen.
Die offene Einrichtung bietet 53 Wohnplätze für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen. Während einige Bewohnerinnen und Bewohner nach etwa zwei Jahren wieder in ein eigenständigeres Leben zurückkehren können, verbringen andere mehr als 20 Jahren im Wohnheim. Ziel der Einrichtung ist es, die Bewohnerinnen und Bewohner auf ihrem Weg in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu begleiten und sie – falls möglich – auf ein Leben außerhalb des Wohnheims vorzubereiten.
Im Mittelpunkt des Austauschs standen die schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen. Problematisch seien vor allem längere Klinikaufenthalte zur Neueinstellung von Medikamenten, die oft sechs Wochen oder länger dauerten, wie Claudia Zacher berichtete. Nach 30 Tagen entfalle jedoch die Finanzierung der Aufwandsleistungen – obwohl der Wohnheimplatz für die Bewohnerinnen und Bewohner freigehalten und Personal finanziert werden müssen.
„Wir verlieren einen Teil der Finanzierung, obwohl unsere Kosten unverändert weiterlaufen. Die Menschen brauchen ihren Platz nach der Entlassung aus der Klinik wieder“, so die Leiterin der Einrichtung. „Aus wirtschaftlicher Sicht dürfte ich eigentlich nur noch ältere Menschen aufnehmen, da deren Medikamenten-Einstellung in der Regel abgeschlossen ist. Dadurch würden junge Erwachsen strukturell benachteiligt,“ fasste Zacher zusammen.
Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung psychischer Erkrankungen wurde im Rahmen des Austausches thematisiert. “Nach wie vor sind psychisch erkrankte Menschen in unserer Gesellschaft marginalisiert. Viele Betroffene erleben Ausgrenzung und verfügen im Vergleich zu anderen Patientengruppen über wenig öffentliche Aufmerksamkeit und politische Interessenvertretung. Dies ist wohl einer der Gründe, wieso die Bundesregierung trotz immensem Bedarf bei ihrer Behandlung sparen will”, kritisiert Marlene Schönberger.
Auch die geplanten Änderungen bei der Tariftreue im Pflege- und Sozialbereich bereiten der AWO große Sorgen. „Wenn die Tariftreue für soziale und pflegende Berufe ausgesetzt wird, hätte das gravierende Auswirkungen. Spätestens eine zweite Aussetzung könnte für viele Beschäftigte existenzbedrohende Folgen haben. In der Konsequenz stünden Einrichtungen vor der Schließung – mit erheblichen Risiken für die Versorgung der Menschen“, warnte AWO-Bezirksvorsitzender Feuerecker.
Er ergänzte, dass sich die gesamte Wohlfahrtspflege derzeit in einer schwierigen Lage befinde. Steigende Kosten, Fachkräftemangel und unsichere politische Rahmenbedingungen setzten die Sozialverbände zunehmend unter Druck.
Für Marlene Schönberger ist deshalb klar: „Öffentliche Mittel dürfen nicht Lohndumping finanzieren. Das beschlossene Tariftreuegesetz ist ein zentraler Hebel, um gute Arbeitsbedingungen und eine verlässliche Versorgung zu sichern. Wer soziale Infrastruktur stärken will, muss auch die Menschen stärken, die dort täglich Verantwortung übernehmen.“
Beim anschließenden Rundgang durch die Einrichtung nutzte die Abgeordnete die Gelegenheit, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern persönlich ins Gespräch zu kommen und sich ein Bild von ihrem Alltag sowie den Angeboten des Wohnheims zu machen.