Kaminkehrer als Energiepartner der Zukunft

Grünen-Abgeordnete Mia Goller und Marlene Schönberger besuchen Ausbildungs- und Kompetenzzentrum in Rimbach

Der Beruf des Kaminkehrers verändert sich: Längst geht es nicht mehr allein um Schornsteine und Feuerstätten. Energieeffizienz, moderne Heiztechnik, Klimaschutz und die Beratung von Hausbesitzern spielen eine immer größere Rolle. Welche Chancen und Herausforderungen damit verbunden sind, darüber informierten sich die Landtagsabgeordnete Mia Goller und die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger, beide Bündnis 90/Die Grünen, bei einem Fachgespräch im Ausbildungs- und Kompetenzzentrum der Kaminkehrer-Innung Niederbayern in Rimbach/Gem. Moosthenning.

Stellvertretender Obermeister Klaus Schuster gab den beiden Abgeordneten Einblicke in Ausbildung und Praxis des Berufsstands. Dabei ging es auch um das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und dessen Auswirkungen auf Handwerk und Verbraucher.

Kritisch sehen die Gesprächsteilnehmer vor allem, dass nach der Neuregelung weiterhin neue Öl- und Gasheizungen eingebaut werden können. Schuster bemängelte, Fachleute aus der Praxis seien bei der Ausarbeitung nicht ausreichend einbezogen worden. „Die Ampel-Regierung hatte uns als Fachleute mit einbezogen. Das neue Gesetz ist dagegen ein Schritt zurück und schafft erneut Verunsicherung“, sagte er.

Auch Marlene Schönberger kritisierte die Neuregelung. Wer heute eine neue Heizung einbauen lasse, treffe eine Entscheidung für viele Jahre. „Deshalb brauchen die Menschen Planungssicherheit und eine klare Orientierung“, sagte die Bundestagsabgeordnete. Dabei gehe es nicht darum, Hausbesitzern bestimmte Lösungen vorzuschreiben, sondern langfristig bezahlbare und klimafreundliche Wärmeversorgung zu ermöglichen. „Neue Abhängigkeiten von fossilen Energien helfen dabei nicht weiter.“

Mia Goller verwies zugleich auf die Bedeutung von Holz als erneuerbarem Energieträger gerade im ländlichen Raum. „Für uns in Bayern ist wichtig, dass Holz auch künftig sinnvoll und nachhaltig für die Wärmeversorgung genutzt werden kann“, sagte sie. Durch den notwendigen Umbau der Wälder falle Holz an, das entsprechend verwendet werden könne. Gleichzeitig müssten Feuerungsanlagen effizient betrieben und regelmäßig kontrolliert werden. „Genau hier brauchen wir die Erfahrung und das Fachwissen der Kaminkehrerinnen und Kaminkehrer.“

Wie sehr sich das Berufsbild inzwischen verändert hat, zeigte sich auch beim Blick auf die Ausbildung in Rimbach. Im Zentrum findet die überbetriebliche Ausbildung statt, zudem werden dort Prüfungen abgenommen. Besonders bemerkenswert: Im aktuellen Lehrjahr befinden sich mehr Frauen als Männer in der Ausbildung. „Wir begeistern junge Menschen für das Handwerk und bilden die Fachkräfte von morgen aus“, erklärte Lehrlingswart Christoph Eisenschink.

Für Goller und Schönberger ist das zugleich ein Zeichen dafür, dass das Kaminkehrerhandwerk gute Zukunftsperspektiven hat. Denn auch wenn künftig möglicherweise weniger klassische Schornsteine zu kehren sind, werden verstärkt Fachleute rund um Heizung, Energieverbrauch und Gebäudetechnik gebraucht.

„Die Energiewende findet nicht irgendwo abstrakt statt, sondern ganz konkret in den Häusern und Wohnungen der Menschen“, betonte Schönberger. Hausbesitzer bräuchten Ansprechpartner, die Anlagen beurteilen, Einsparmöglichkeiten erkennen und bei technischen Fragen Orientierung geben könnten. „Das Kaminkehrerhandwerk bringt dafür sehr gute Voraussetzungen mit.“

Goller sieht darin ebenfalls eine wichtige Entwicklung: „Aus dem klassischen Schornsteinfeger ist längst ein moderner Umwelt- und Energieberuf geworden.“ Kaminkehrer seien regelmäßig in den Häusern, kennen die Heizungsanlagen und könnten frühzeitig erkennen, wo Energie eingespart oder eine Anlage verbessert werden könne. „Wenn wir Energieversorgung klimafreundlich, sicher und zugleich bezahlbar gestalten wollen, sind diese Fachkräfte unverzichtbare Partner.“

Auch Siegfried Blöchinger und Manuel Ertl von der Abteilung Technik sehen hier zusätzliche Aufgaben für ihren Berufsstand. Ein regelmäßiger Blick auf die Effizienz einer Heizungsanlage könne beispielsweise helfen, unnötigen Energieverbrauch zu erkennen und Kosten zu senken. Damit werde aus dem traditionellen Kaminkehrer zunehmend ein Ansprechpartner für moderne Energiefragen.

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