Gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen zu bringen!

Marlene Schönbergers Rede zur Nachttanzdemo gegen Arbeitsfetisch des Café Resistenza Landshut:

„Liebe Leute,

Ich freue mich, heute zusammen mit euch die Chance zu haben die gesellschaftlichen Verhältnisse zum Tanzen zu bringen!

Die Ideologien des Neoliberalismus und des Kapitalismus prägen den politischen Diskurs und unsere Realität.

Unser Wirtschaftssystem basiert nicht nur auf Selbstoptimierung und dem Konkurrenzgedanken, sondern auch auf der Ausbeutung und Armut sehr sehr vieler Menschen. Obwohl der Kapitalismus uns Menschen, der Gemeinschaft und die Umwelt zerstört, steht er nach wie vor fast unwidersprochen im Raum.

Es ist ein Skandal, dass wir bereits in der Schule auf das kapitalistische System vorbereitet werden. Wir werden erzogen um produktive Teile im System zu werden.Uns wird beigebracht, dass Konkurrenz, Leistungsdruck, Armut oder globale Ungerechtigkeit etwas Normales, Unveränderbares und Unhinterfragbares wären.

Vielen Menschen geht es deshalb schlecht. Ich bin überzeugt, dass das ein Ende haben muss, wenn wir dem Rechtsruck etwas entgegensetzen wollen.              Wir linke Kräfte müssen immer wieder zeigen, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse weder Gott gegeben, noch in Stein gemeißelt, sondern von Menschen gemacht – und genau deshalb auch von Menschen veränderbar sind.

Es liegt es an uns, dem Mythos der Alternativlosigkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystem etwas entgegenzuhalten!

Ich bin überzeugt, dass unsere Visionen einer solidarischen und emanzipatorischen Politik Wirklichkeit werden können. Dafür müssen wir die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend ändern und den Leistungszwang des kapitalistischen Systems beenden.

Gerade mit der Digitalisierung haben wir ganz neue Chancen auf ein demokratisches Wirtschaftssystem, in der Entscheidungsbefugnisse, Produktionsmittel, Arbeit, Vermögen und damit Macht gerecht verteilt sind.

Wir haben die Vision langfristig eine Gesellschaft zu ermöglichen, in der jeder Mensch frei über seine Zeit verfügen kann und in der die notwendige Arbeit und der gesellschaftliche Reichtum gerecht verteilt sind.

Wir linke Kräfte müssen zeigen, wie eine Gesellschaft aussehen kann, in der Zusammenhalt und Solidarität mehr sind als leere Worte.                                Wir können zeigen, dass eine Welt möglich ist, in der alle Menschen ein gutes Leben führen können.

Und ein gutes Leben für alle bedeutet, dass alle Menschen genug haben, um zu leben, statt nur zu überleben. Dazu gehört gesellschaftliche Teilhabe genauso wie ein angenehmer Lebensstandard, der es ermöglicht, nicht mehr jeden Euro umdrehen zu müssen – und zwar unabhängig von Lohnarbeit.

Ja, das ist eine große Vision. Aber angesichts des Rechtsrucks in unserer Gesellschaft brauchen wir zukunftsweisende Visionen, die den Menschen Mut machen.                                                                                                         Es muss uns gelingen, den lähmenden Gedanken der Alternativlosigkeit des kapitalistischen Systems abschüttelt. Zusammen können wir die Zukunft gestalten, – hier und heute auf der Straße, aber auch in der Gesellschaft und in den Parlamenten.

Eins ist klar: Neben diesen großen Visionen braucht es kleine Schritte. Und deshalb sind wir heute hier.

Wir sind heute hier, um uns den öffentlichen Raum zurückzuerobern! Gemeinsam holen wir uns die Stadt zurück von Konsumzwang, Autos und Parkplätzen.

Mit Veranstaltungen wie dieser können wir zeigen, dass in Landshut Räume und Angebote fehlen, die unabhängig vom Geldbeutel zur sozialen Interaktion und zum Zeitverbringen einladen.                                                                          Es kann nicht sein, dass Menschen im öffentlichen Raum nur erwünscht sind, wenn sie ihr Geld in Restaurants oder Geschäfte tragen.

Wir wünschen uns ein Landshut, das in dem die verschiedensten Menschen zusammenleben und gerne Zeit verbringen.

Landshut braucht mehr Parkbänke und Grünflächen, kulturelle Angebote und Treffpunkte, die allen Menschen unabhängig von ihrer Herkunft und vor allem unabhängig ihres Geldbeutels zur Verfügung stehen. Wir brauchen mehr Orte für Jugendkultur und alternative Gemeinschaftsprojekt, die die Begegnung und das Miteinander fördern und zu unterstützen.

Der öffentliche Raum muss den Bürger*innen gehören und ist keine Verkaufsfläche. Davon ist Landshut leider weit entfernt.

Ich wünsche mir dass wir heute hier zusammen feiern und Kraft tanken. Für unseren Kampf für eine Welt ohne Leistungsdruck, Konkurrenzdenken und langfristig natürlich auch ohne Lohnarbeit.

Viel Spaß, feiert schön und morgen sehen wir uns auf der Demo im antifaschistischen Jugendblock!“

Danke an das Café Resistenza für die Organisation dieser coolen Demo!

Am 26. September ist Bundestagswahl

Alle Stimmen Grün!